Ausgangssituation:
Das Auerbergland liegt im oberbayerischen und schwäbischen Alpen-vorland südwestlich von München und Augsburg. Die Fläche des Gebietes umfasste bis zum Jahre 2000 ca. 20.000 ha mit rund 12.000 Einwohnern, von2001 bis 2006 circa 25.000 ha und rund 19500 Einwohner. Der Auerberg ist mit 1055 m Höhe der markante Blick- und Mittelpunkt.
Auerbergland ist der interkommunale Zusammenschluss von zunächst acht, ab dem 1. Januar 2001 elf ländlich strukturierten Gemeinden in den Landkreisen Weilheim-Schongau, Regierungsbezirk Oberbayern, und Ostallgäu, Regierungsbezirk Schwaben. Deren Verwaltungsgrenzen verlaufen mitten durch das Gebiet. Seit Anfang 2007 sind die Gemeinden Steingaden und Prem am Lech Mitglieder im interkommuanlen Netzwerk. Das Auerbergland hat nun mit seinen 13 Gemeinden circa 25.200 Einwohner.
Aus dieser "Randlage" heraus, also der Lage abseits von Orten mit zentralörtlicher Bedeutung im Randbereich der jeweiligen Regierungsbezirke, resultieren auch die wirtschaftlichen Schwächen im Projektgebiet. Deshalb gehören die Gemeinden im Landesentwicklungsprogramm zu der Gebietskategorie „Ländlicher Teilraum, dessen Entwicklung nachhaltig gestärkt werden soll“. Insgesamt ist das Auerbergland trotz des durchgreiffenden Strukturwandels geprägt durch einen hohen Anteil bäuerlicher Landwirtschaft im Familienbetrieb. Wichtigster Wirtschaftsfaktor sind kleine sowie mittelständische Handwerks- und Gewerbebetriebe. Nennenswerte Industriebetriebe sind mit Ausnahme der Gemeinde Altenstadt im Gebiet nicht vorhanden. Die touristische Infrastruktur und die Gästezahlen weisen ein starkes Süd-Nord-Gefälle auf. Auerbergland gehört zum Wirkungsbereich der Tourismusverbände Ostallgäu und Pfaffenwinkel. Die fast 2000 jährige Römische Kaiserstraße Via Claudia Augusta sowie der Alpenfluss Lech, als letzte Biotopbrücke zwischen Alpen und Jura in Bayern, durchziehen das Gebiet des Auerberglandes von Süden nach Norden und prägen es maßgeblich.
In der Folge von im Rahmen beginnender Dorferneuerungsverfahren durchgeführten wirtschaftsgeographischen Gutachten wuchs bei vorausschauenden Kommunalpolitikern des Gebietes die Erkenntnis, dass drängende Zukunftsprobleme, wie zum Beispiel fortschreitender, enormer Kaufkraftabfluss oder der Strukturwandel der Landwirtschaft, nicht mehr nur auf der Ebene des einzelnen Dorfes bewältigt werden können So entstand Anfang des Jahres 1992 daraus die Idee, die Gemeinden um den Auerberg mit ihren geschichtlich-kulturellen, wirtschaftlichen und naturräumlichen Gegebenheiten zu vernetzen und mit gemeinsamen Aktivitäten und Initiativen zu beleben und zu stärken.
Entwicklungsoptionen
Eine tragende Rolle in diesem vernetzten Prozess spielt die von mutigen und zukunftsorientierten Bürgermeistern getroffene Entscheidung, die laufenden oder anstehenden Verfahren im Bayerischen Dorferneuerungsprogramm ganzheitlich und mit umfassender Beteiligung der interessierten und betroffenen Bürger und deren Wissen um die sinnvolle Entwicklung der eigenen Heimat durchzuführen. So war und ist es möglich, im Rahmen der Planung im Dialog mit den Bürgern die bei der Leitbild- und Projektarbeit „im Dorf“ gewonnenen Erkenntnisse von der Ebene örtlicher Arbeitskreise und Projektgruppen auf die Ebene der überörtlichen Fachgruppen Auerbergland zu transportieren. Hier werden gemeinsame, ortsübergreifende vernetzten Problemlösungen gesucht, Projekte entwickelt und gemeinsam umgesetzt. Neben der Planungsmethodik ist die von Anfang an gegebene planerische, ideelle und finanzielle Unterstützung durch das Bayerische Dorferneuerungs-programm ein wesentlicher Faktor für den bisherigen Erfolg von Auerbergland
Einen weiteren Anschub erhielt Auerbergland durch die Aufnahme in das EU-Programm LEADER II. Obwohl nicht in der bis zum Jahr 2000 für finanzielle Projektförderung maßgeblichen 5b–Kulisse gelegen, erhielt Auerbergland durch LEADER II wichtige Unterstützung zum Aufbau und zur Stabilisierung der gemeinsamen Organisationsstruktur, für grundlegende Machbarkeits-studien und einige wichtige Umsetzungen im Projektgebiet sowie im Rahmen transnationaler Partnerschaften.
Die Gemeinden des Auerberglandes haben sich die ganzheitliche und querschnittsorientierte Verbesserungen der Lebenssituation und Lebens-qualität unter besonderer Beachtung der Inhalte des gemeinsamen Leitbildes und des gemeinsamen natürlichen und kulturellen Erbes zur Aufgabe gemacht. Die gewonnen Erkenntnisse über die regionale Entwicklung im Auerbergland wurden in einem umfassenden „Regionalen Entwicklungs-konzept“ zusammengefasst. Dieses umsetzungsorientierte Strategiekonzept umfasst detailierte, mit und zwischen den beteiligten Kommunen, ihren aktiven Bürgern, den Verbänden sowie den betroffenen Behörden abgestimmte Entwicklungsoptionen, Schlüsselprojekte der Entwicklung sowie umfangreiche, größtenteils auch in der Finanzierung abgestimmte Projektlisten.
Dieses nicht auf ein bestimmtes Förderprogramm zugeschnittene Konzept diente Auerbergland erfolgreich als Bewerbungsunterlage zum EU- Förder-programm LEADER+. Bereits im Rahmen der ersten Entscheidungs-runde wurde Auerbergland ausgewählt. Seit Mitte 2002 setzt die Lokale Aktionsgruppe Auerbergland entwicklungsstrategisch relevante Projekte erfolgreich um, dies trotz teilweise überbordender bürokratischer Hemmnisse und der prekären Finanzsituation kommunaler Projektträger.
Zukunftsentwicklung
Bürgermeister, Räte und Fachgruppenvertreter aus aus allen elf Gemeinden trafen sich Ende Juli an der Schule für Dorf- und Landentwicklung in Thierhaupten zu einer Strategie-Arbeitstagung. Unterstützt vom Gast-referenten, Herrn Dr. Dirnberger vom Bayerischen Gemeindetag, wurde intensiv an der Weiterentwicklung des interkommunalen Netzwerkes gearbeitet.. Die Einbindung der Bürger in Entscheidungsprozesse über Fach- und Projektgruppen auch in der Zukunft, eine engere Zusammenarbeit der Kommunen, wo sinnvoll auch bei Kernaufgaben wie beispielsweise dem Hochwasserschutz, sowie der projekt- und maßnahmenbezogene Ausbau von Vernetzungen sowohl innerhalb Auerbergland als auch mit Partnern von Aussen sind wesentliche Ergebnisse der Tagung.
Die Fortschreibung des Regionalen Entwicklungskonzeptes auf die Anforder-ungen der Zeit nach LEADER+ soll umgehend angepackt werden. Auerbergland will auch in Zukunft Pilotprojekt sein und Förderprogramme aus der EU-Strukturförderung, der Regionalen Landentwicklung, über Integrierte Ländliche Entwicklung und Dorferneuerung für seine Bürger nutzen.