Die Geschichte von Roßhaupten

 

Das Fischhaus

Bis 1804 gab es in unmittelbarer Nähe des Ortes Roßhaupten den Fischhausweiher, aus dem in der Mitte eine kleine Insel hervorragte. Der Augsburger Fürstbischof Peter von Schaumburg ließ dort um das Jahr 1450 ein "Wasserhaus im Weyer" mit einem Fischgut anlegen, um vor allem in der Fastenzeit für den nötigen Fischvorrat zu sorgen. Dieses Gut war auch Sitz des ersten hochstiftlichen Fischermeisters, Willhalm Zeller. Das Fischhaus mitten im Weiher diente dem Bischof vermutlich auch als Kulisse für Feste, so wie es z.B. für das Wasserschloss Bischofszell am ehemaligen Stöttener See in Stötten am Auerberg urkundlich überliefert ist. Hier feierte 1487 Bischof Friedrich II. von Zollern (1486-1505), ein Freund von Kaiser Maximilian I., ein riesiges Fest.
Um Geld für diese Spektakel zu bekommen, machten die Fürstbischöfe so genannte "Umritte". Der Landesherr besuchte seine Untertanen, die ihm Geschenke machen mussten. Im Fall von Roßhaupten sind solche "Umritte" in den Jahren 1507, 1517 und 1573 nachweisbar. Sie lösten jedoch immer mehr den Unmut der Bevölkerung aus.

 

Die Fischhauskapelle

Nach dem Ende des Bauernkrieges war das Fischhaus wieder Sitz des Fischmeisters. Wann die Kapelle auf der Insel beim Fischhaus gebaut wurde, ist nicht überliefert. Eine erste urkundliche Erwähnung gibt es aus dem Jahr 1594. Damals war Caspar Buechenperger Fischmeister (seit 1569). Vermutlich wurde die Kapelle aber schon unter Bischof Christoph von Stadion (1517-1543) errichtet. Durch die zahlreichen Unruhen im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) und die Notzeit während der Pest war das Fischhaus ziemlich heruntergekommen. Am 9. Oktober 1650 besuchte der Fürstbischof das baufällige Ensemble, hielt eine Messe und nahm ein Mittagessen ein.
Ein Neubau der Kapelle erfolgte unter Bischof Joseph, Landgraf von Hessen-Darmstadt (1740-1768), im Jahr 1750. Sie ist dem hl. Ulrich geweiht. Das große Fresko im Kapellenschiff zeigt den glücklichen Fischfang der Apostel. Es wurde laut einer Signatur von Josef "Christ" gemalt. Der Altar stammt wahrscheinlich vom Pfrontener Bildhauer Peter Heel aus der Zeit zwischen 1750 und 1760 und zeigt eine Plastik mit dem hl. Ulrich auf dem Totenbett. An den Langhauswänden befinden sich Darstellungen der beiden Bistumsheiligen Ulrich (links) und Afra (rechts). Interessant ist auch die Empore, die man nur über eine schon fast ganz zusammengefallene Brücke vom Fischhaus erreichen kann. Über der Kapelle sind zwei Räume, die ebenfalls nur über diese Brücke zu erreichen sind. Sie wurden erst später auf die Kapelle aufgesetzt. In diesen beiden Räumen wurden nach dem II. Weltkrieg Flüchtlinge aus Schlesien untergebracht. Darunter soll sich auch ein Geigenbauer befunden haben, der hier Instrumente gebaut hat.

 

Das Ende von Fischhaus und Weiher

Mit dem Ende des Hochstifts Augsburg nach der Säkularisation 1803 wurde auch der letzte hochstiftliche Fischmeister entlassen. Er liegt auf dem ehemaligen Pest- und Ausweichfriedhof bei der Kapelle Maria Steinach bei Roßhaupten begraben. Der Weiher um das Fischhaus wurde 1804 trockengelegt, um Ackerland zu gewinnen. Seither ist das Fischhaus ein Bauernhof, an den einige landwirtschaftliche Gebäude angebaut wurden. 1848 erwarb das Ensemble Dr. Benedikt Geis, der die Kapelle 1855 außen neugotisch überbauen ließ (Ziegelmauerwerk). Vermutlich wurde der Eingang zur Kapelle nun auch auf die Westseite verlegt. Im Boden vor dem Eingang befindet sich eine Steinplatte. Angeblich soll hier der erste Fischmeister begraben sein.

 
 
 


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